Literatur

Tagebuch aus dem Gefängnis

Der Berliner Verbrecher Verlag veröffentlicht die Tagebücher des Schriftstellers Erich Mühsam in 15 Bänden (aktuelle Band 3 die Jahre 1912-1914). In seinen  Aufzeichnungen schildert der später im KZ Oranienburg ermordete Publizist u.a. seine kurze Haftzeit in dem sich damals in Berlin Charlottenburg (Kantstraße 79) befindlichen Gerichtsgefängnis mit „manchmal fast amüsiertem Abstand des teilnehmenden Beobachters“
(Freispruch – Mitgliederzeitung der Strafverteidigervereinigungen).

Eine Beobachtung Mühsams ist mir als Strafverteidiger bei der Lektüre des „Tagebuch aus dem Gefängnis“ dabei, nicht zuletzt wegen ihrer scheinbar fortwirkenden Gültigkeit, besonders haften geblieben:

„Der Polizist ist es gewöhnt, in seiner amtlichen Tätigkeit im Menschen nur den Verbrecher zu suchen, während sich der Gefängnisbeamte gerade in seiner amtlichen Tätigkeit daran gewöhnt, im Verbrecher den Menschen kennen zu lernen.“
Erich Mühsam, 04. November 1909

„Ich beantrage Freispruch“

Auf der Suche nach einer Lektüre über die Berliner Ganovenverbünde der Vorkriegszeit, die sogenannten Ringvereine, und deren wohl prominentestes Mitglied „Muskel-“Adolf Leib, stieß ich auf die unbedingt lesenswerten autobiographischen Fallschilderungen des Kollegen Dr. Dr. Erich Frey in dessen 1959 erschienen Buch „Ich beantrage Freispruch“.

Nachdem sich nicht zuletzt dank der Werke von Ferdinand Schirach die Mandatsprosa einer immer größeren Beliebtheit erfreut, sollte das Werk Freys jedem Liebhaber des Genres wärmstens empfohlen sein.  Read more